Der Verein
Der Verein mit dem etwas umständlichen Namen „Waldorfpädagogik Ostthüringen e.V.“ ist als Trägerverein eine sogenannte juristische Person und damit gewissermaßen das Rechtssubjekt für die beiden Schulen in Jena und Gera sowie für den Jenaer Waldorfkindergarten. Diese Einrichtungen heißen Zweckbetriebe des Vereins. Das kommt daher, weil ein Verein zunächst immer ein Idealverein ist, d.h. eine Gruppe von Menschen, die ideelle Ziele verfolgen. Das unterschiedet den Verein auch grundsätzlich von einem Wirtschaftunternehmen, einer Personengesellschaft zum Beispiel, die wirtschaftliche Ziele verfolgt.
Die ideellen Ziele des Vereins sind in seiner Satzung niedergeschrieben: Im §2 der Satzung heißt es: „Der Verein verfolgt das Ziel, auf der Grundlage der Pädagogik Rudolf Steiners einen Beitrag zu einem freien öffentlichen Schulwesen zu leisten. Insbesondere wird angestrebt, in diesem Sinne Schulen und Kindergärten zu gründen und zu unterhalten. Außerdem werden Beziehungen zu anderen freien Schulinitiativen gesucht bzw. gepflegt.“
Hier werden neben dem ideellen Zweck des Vereins auch schon die Mittel beschrieben, mit denen der Vereinszweck erreicht werden soll, nämlich Schulen und Kindergärten zu gründen und zu unterhalten.
Der Verein ist der sogenannte Träger der Zweckbetriebe, die selbst keine juristischen Personen sind. Alle rechtlichen Beziehungen zu Eltern, anderen Einrichtungen, den Mitarbeitern oder sonstigen Vertragspartnern, den Stadtwerken z.B., bestehen also immer zwischen dem Verein und dem jeweiligen Partner. Die Beziehungen im Bereich des Geisteslebens sollen davon natürlich möglichst ungestört zwischen den jeweils handelnden Personen oder Personengruppen, also z.B. zwischen dem Lehrer und seinen Schülern oder der Klassenelternschaft bestehen, wachsen und gedeihen.
Die Finanzen
Der Verein bildet nicht nur den rechtlichen Rahmen sondern ist auch Träger der wirtschaftlichen Aktivitäten. Der wirtschaftliche Bereich ist zwar nicht der Zweck des Vereins, er soll aber die Verwirklichung der Zwecke und Ziele ermöglichen. So ist es wichtig neben der kurz- und mittelfristigen Verwaltung von Zuschüssen, Elternbeiträgen und Spenden eine langfristige Strategie zu entwickeln, wie eine solide wirtschaftliche Basis auch für Zeiten noch stärker reduzierter öffentlicher Zuschüsse geschaffen werden kann. Bei allen Schwierigkeiten, die auch wir in finanzieller Hinsicht immer wieder haben, leben wir in Deutschland im weltweiten Vergleich doch in paradiesischen Zuständen. In kaum einem anderen Land der Welt werden Waldorfschulen in ähnlicher Weise mit öffentlichen Mitteln gefördert. Da nicht zu erwarten ist, dass sich die ganze Welt zukünftig an Deutschland orientiert, müssen wir eher damit rechnen, dass sich die Situation im Zuge eines globalen oder auch nur europäischen Angleichungsprozesses für uns deutlich verschlechtern wird. Deshalb kommt es schon heute darauf an, Fundamente zu schaffen, die in Zukunft eine größere wirtschaftliche Eigenständigkeit der Schule ermöglichen. Dazu gehört der Aufbau eines festen Sponsorenkreises ebenso wie der Erwerb von Flächen und die langfristige Investition in Sachwerte.
Die Baufinanzierung
Unsere wichtigsten Sachwerte sind unsere Schulgebäude mit ihrer Ausstattung. Wenn man ein Schulgebäude bauen will, braucht man neben einem festen Willen, guten Ideen, Enthusiasmus und Stehvermögen auch Geld. Dieses Geld kann man sich zusammensparen und wenn man alles, was man braucht, beisammen hat, fängt man mit dem Bauen an. Häufig wird der Wunsch zu bauen mitunter auch durch äußere Zwänge schon sehr mächtig, bevor man ausreichend Geld gespart hat. Dann entsteht die Frage nach der Finanzierung und nach anderen Geldquellen. An der Jenaer Waldorfschule gab es von Anfang an immer wieder äußere Zwänge durch Raummangel und es ist immer wieder gebaut worden. Zuerst am Alten Schulgebäude, dann kamen die Pavillons und der Südbau hinzu, schließlich wurde mit den Neubau, der eigentlich ein Anbau an das alte Schulgebäude ist, der dringendste Platzbedarf für eine einzügige Schule befriedigt. Alle diese Bauaktivitäten wären nicht möglich gewesen ohne das tatkräftige Engagement vieler Eltern aber auch nicht ohne die Zuschüsse aus verschiedenen Quellen. Wir haben bei allen Bauvorhaben immer wieder Unterstützung vom Land erhalten, häufig konnten wir über sogenannte Vergabe-ABM Mittel vom Arbeitsamt einsetzen und an einigen Stellen haben uns auch Stiftungen, Spenden von Eltern und Förderern der Schule sowie der Bund der Freien Waldorfschulen mit Geld aus dem Ostfond geholfen. Dennoch ging es nicht völlig ohne Darlehen. Im Moment steht die Schule noch mit ca. 800.000 Euro in der Kreide, das ist aber weniger als ein Viertel der Sachwerte, die in den letzten Jahren geschaffen wurden. Und irgendwie ist es ja auch gerecht, wenn die zukünftigen Elterngenerationen an der Finanzierung des Schulbaus beteiligt werden.
Neben vielen kleinen Wünschen ist in den letzten Jahren der Ruf nach einer eigenen Turnhalle und einem „richtigen“ Saal immer lauter geworden. Erste Überlegungen zu einer Aufgabenbeschreibung als Grundlage eines Architektenentwurfes sind aufgeschrieben worden. Zur Finanzierung sind bereits erste Gedanken in die mittelfristige Finanzplanung eingeflossen. Allerdings werden sich die äußeren Rahmenbedingungen bis zu einem tatsächlichen Baubeginn noch einige Male ändern.
Die Gremien der Schule und des Vereins
Unser Verein besteht wie jeder Verein zunächst einmal aus den Mitgliedern und den sogenannten Organen. Die Organe sind in der Satzung verzeichnet. Es sind dies: die Mitgliederversammlung, die Kollegien, die Arbeitskreise und der Vorstand.
Der Verein ist aber nur der Boden, der das Eigentliche, nämlich unsere Schule trägt. Die Schule, das sind vor allem die Kinder und Jugendlichen, die Eltern, die Lehrer und die technischen Mitarbeiter. Alle Lehrer zusammen bilden das Kollegium. Das Kollegium wählt aus seiner Mitte anstelle eines Direktors die Schulleitung. Der Geschäftsführer ist vom Vorstand entsandtes ständiges Mitglied dieser Schulleitung und berät diese in wirtschaftlichen und juristischen Fragen. Die Schulleitung hat alle Aufgaben eines Direktors und sie hat vom Vorstand die Personalverantwortung übertragen bekommen. Sie ist insbesondere für die Qualitätssicherung und die organisatorischen Abläufe des täglichen Schulbetriebes zuständig.
Das Kollegium tagt einmal wöchentlich in der Donnerstagskonferenz. Die Konferenz gliedert sich in einen pädagogischen und einen organisatorischen Teil. Einzelne konkrete Aufgaben delegiert das Kollegium in Gruppen oder Arbeitskreise. So werden z.B. die Fragen der Förderarbeit im Förderkreis besprochen und entsprechende Festlegungen getroffen. Zu speziellen Fragen treffen sich regelmäßig Teile des Kollegium in besonderen Konferenzen, z.B. der Oberstufenkonferenz, der Sprachlehrerkonferenz oder einzelnen Klassenkonferenzen.
Darüber hinaus können sich im Verein auch andere Arbeitskreise bilden, die sich mehr mit der äußeren Gestaltung der Schule beschäftigen, wie z.B. der Bau- und Außengestaltungskreis oder der Öffentlichkeitskreis. Auch der Elternrat ist in gewisser Weise ein Arbeitskreis, der sich in besonderer Weise um die Zusammenarbeit von Eltern und Kollegium bemüht.
Der Vorstand trägt die Verantwortung für die rechtlichen und wirtschaftlichen Angelegenheiten des Vereins. Er muss dazu die Arbeit der anderen Organe wahrnehmen und koordinieren. Er setzt die Beschlüsse der Mitgliederversammlung um und arbeitet an den Zukunftsfragen des Vereins. Der Vorstand entscheidet in allen wichtigen strategischen Fragen zwischen den Mitgliederversammlungen. Für die operativen Tätigkeiten, das sogenannte Tagesgeschäft, ist der Geschäftsführer zuständig. Er wird vom Vorstand eingestellt und ist diesem in erster Linie rechenschaftspflichtig.